Online Mediation: Die andere Art der außergerichtlichen Konfliktlösung

Online Mediation: Die andere Art der außergerichtlichen Konfliktlösung

Online-Mediation: Die andere Art der außergerichtlichen Konfliktlösung

Die Möglichkeiten außergerichtlicher Konfliktlösung haben sich auch auf elektronischem Wege fortentwickelt. Mittlerweile sind Videokonferenzen unter Einbeziehung sämtlicher Beteiligten von verschiedenen Orten unproblematisch möglich. In jedem Fall sollte eine Online-Mediation bestimmte Mindeststandards einhalten.

Insbesondere für Konflikte, die aus dem elektronischen Geschäftsverkehr selbst stammen, bietet sich eine Behebung auch über das Internet an. Die Vorteile sind offensichtlich: Die Konfliktparteien sind ohnehin netzaffin, typischerweise räumlich weit voneinander entfernt und einander meist nicht persönlich bekannt. Obwohl es häufig um reine Geldkonflikte mit z.T. nur geringen Summen geht, kann die emotionale Betroffen­heit der Parteien durchaus erheblich sein und sich auf die Reputation der Beteiligten auswirken.

Eine Form der alternativen, außergerichtlichen Streitbeilegung ist die Mediation, bei der die Konfliktparteien freiwillig unter Beteiligung eines unabhängigen Dritten eine gemeinsame, nicht zwingend rechtliche Lösung suchen.

In Online-Mediationsverfahren können auch außerhalb des Internets entstandene Konflikte mit wesentlich höheren Streitwerten und damit verbundenen Folgen bis hin zu den Folgen von Ehescheidungen bearbeitet werden.

Vor- und Nachteile elektronischer Mediation

Neben den Vorteilen aus der allgegenwärtigen Verfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Präsenzmediationen (Einsparung von Reisezeiten und -kosten für die Beteiligten sowie die vorübergehende Teilnahme von Experten) schafft auch eine räumliche Distanz der Parteien u.U. Vorteile. Die anonymere Online-Gesprä­chs­situation kann sonst eher konfliktscheuen Beteiligten helfen, ihre Ansprüche überhaupt erst angemessen einzufordern. Zudem reduziert die zwischen den Beteiligten stehende Technik eine weitere Eskalation, bspw. durch die Zuweisung und Einhaltung von Rederechten und damit die Verhinderung des „Ins-Wort-Fallens”. Der Vorteil ist zugleich ein Nachteil, da selbst die beste audiovisuelle Übertragung nicht alle non-verbalen Signale zwischen den Beteiligten übertragen kann.

Rechtliche Grundlagen: Freiwilligkeit und Verschwiegenheit

Die rechtlichen Voraussetzungen für eine elektronische außergerichtliche Konfliktlösung sind gering. Maßgeblich ist die Freiwilligkeit der Teilnahme mit der Möglichkeit des jederzeitigen Verfahrensabbruchs durch die Beteiligten.

Vor oder zumindest zu Beginn des Streitbeilegungsverfahrens ist es erforderlich, die Identität der Personen zu überprüfen, die verhandeln werden. Dabei ist zugleich zu prüfen, ob es sich um die Personen handelt, die das streitige Geschäft abgeschlossen haben, zwischen denen also der Konflikt besteht. Schließlich ist zu klären, ob diese Personen ausreichend legitimiert sind, den Konflikt beizulegen.

Eine Identifizierung der Parteien ist – abhängig vom Wert des Streites und des Sicherheitsbedürfnisses – durch die Übermittlung von Zugangscodes per Einschreiben-Eigenhändig, per PostIdent-Verfahren oder durch eine notarielle Unterschriftenbeglaubigung möglich.

Die in die Durchführung des Mediationsverfahrens eingebundenen Personen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Insbesondere ist über die beim Mediationsverfahren erworbenen Kenntnisse auch nach Abschluss des Verfahrens Stillschweigen zu bewahren. Zudem sind für die Sicherstellung der Verschwie­gen­heit geeignete Maßnahmen (Verschlüsselung) zu ergreifen.

Vollstreckung

Ziel auch des elektronischen Konfliktlösungsverfahrens ist es, eine für alle Beteiligten bindende Lösung zu erreichen, die nötigenfalls auch vollstreckungsfähig und damit durchsetzbar ist. Das ist im deutschen Mediations¬gesetz nicht ausdrücklich umgesetzt.

Jedoch im türkischen Recht ist die Lösung bindend, nach dem das Mediationsprotokoll von Parteien und dem/der Mediator/in unterzeichnet wird.

Wenn das Protokoll von den Parteien und deren Rechtsanwälte unterzeichnet wird, gleicht dieses Protokoll einem rechtskräftigen Gerichtsurteil, dass direkt vollstreckt werden kann falls die Parteien sich an Ihre Leistungen nicht halten sollten.  

 

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